Kommentar

Raus aus dem Tabu

Lea Seethaler über den Umgang mit Alkoholmissbrauch: Die Sucht ist eine Krankheit und muss auch als solche behandelt werden

Im Südwesten setzen Schulen bei der Alkoholprävention auf das Stärken der Persönlichkeit, in Brandenburg einige auch auf die körperliche Erfahrung durch Trinkexperimente. Doch es gibt Momente im Leben von Menschen, da hilft die stärkste Persönlichkeit nicht, mit einer zum Beispiel durch einen Schicksalsschlag ausgelösten Lebenssituation umzugehen. Und auch die Erinnerung, dass es einem einmal von Sekt schlecht wurde, hält dann nicht vom Griff zum betäubenden Alkohol ab. Umso wichtiger ist es, selbst zu erkennen, wenn Menschen im Umfeld sich in Ausnahmesituationen befinden – und aktiv zu helfen.

Natürlich, Alkoholsucht klassisch durch Prävention vorzubeugen – egal ob an Schulen oder sonst irgendwo –, ist entscheidend. Es ist aber auch wichtig – und das wird leider oft unterschätzt –, dass man aufeinander aufpasst. Durch gegenseitiges Aufeinander-Achtgeben kann man mit dafür sorgen, dass Alkoholsucht vielleicht erst gar nicht entsteht. Das heißt konkret: (beginnende) Suchtprobleme mit Offenheit, aber sensibel ansprechen. Einfach überhaupt mit den betroffenen Menschen kommunizieren. Das gilt im Übrigen für Schüler genauso wie für Kollegen, Freunde und Bekannte.

Menschen, die mehr als übermäßig trinken, werden oft als charakterschwach dargestellt. Dabei sind nach Alkohol süchtige Menschen psychisch erkrankt, sie leiden am Alkoholismus. Das Ausgrenzen dieser Menschen muss ein Ende haben – die Devise muss heißen: helfen und reagieren statt tuscheln und abwenden.

 
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