Kommentar

Rebellische Popszene

Archivartikel

Georg Spindler zu den politisierten Grammy-Awards

 

Sexismus, Rassismus, die Präsidentschaft Donald Trumps: Es gibt genügend Gründe dafür, dass die Popmusik sich nicht mehr so unschuldig geben kann wie früher. Das hat sich bei der Grammy-Zeremonie in New York deutlich gezeigt. Auch wenn manche Kommentatoren noch mehr politische Bekenntnisse fordern, viele der dargebotenen Songs waren eindeutig und kämpferisch. Schauspieler mögen bei der Oscar-Verleihung die Worte haben – Popstars haben ihre Lieder.

So wie Kendrick Lamar, der bei den Grammy-Awards über Gewalterfahrung, Wut und die Benachteiligung der Afroamerikaner rappte, ehe er seine Tanztruppe symbolisch niederschießen ließ. Nicht minder rebellisch: Soulsängerin Kesha, deren Ballade „Praying“ eine bewegende Anklage gegen sexuelle Unterdrückung ist. Oder Hip-Hopper Logic, der sich auf offener Bühne für Trumps „Dreckslöcher“-Attacke gegen afrikanische Länder entschuldigte.

Ein Wermutstropfen mag da sein, dass der unpolitische Gute-Laune-Sänger Bruno Mars sechs Trophäen abräumte. Aber Popmusik ist eben in erster Linie ein Unterhaltungsgeschäft und keine moralische Anstalt. Peinlich ist es nur, wenn an einem solchen Abend, an dem selbst die für freizügige Garderobe bekannten Stars Pink und Miley Cyrus dezent gekleidet erscheinen, Heidi Klum in Dessous aufritt.

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