Kommentar

Regierung tut sich schwer

Wolfgang Mulke zum Zuckergehalt in Lebensmitteln

 

Die Geister, die sie riefen, werden für die Nahrungsmittelhersteller allmählich zur Plage. Immer mehr Produkte wurden im Lauf der Jahrzehnte mit Zucker oder verwandten Stoffen durchsetzt. Das verbessert den Geschmack, weshalb sich die Pizzen oder Barbecue-Soßen, Instantbrühen oder Tiefkühllasagnen besser verkaufen. Doch der menschliche Geschmackssinn gewöhnt sich daran und verlangt anschließend nach noch intensiverem Genuss - also stieg der Zuckergehalt weiter. Die Erkenntnisse der Medizin sprechen jedoch eine deutliche Sprache: Zu viel Zucker zieht Fettleibigkeit und die damit verbundenen Wohlstandskrankheiten nach sich. Der Ruf des Süßen hat dadurch mächtig gelitten.

Jetzt hat die Branche ein Problem. Sie soll weniger weißen Zucker verarbeiten, die Kunden sind aber an den Geschmack gewöhnt. Also kommen Ersatzstoffe wie Isoglucosesirup zum Einsatz. Der Stoff ist billig und wird von den Kunden auf der Zutatenliste kaum als Süßungsmittel wahrgenommen. Dumm nur, dass der Sirup die Leber verfetten lässt.

Regierungen anderer Länder haben auf das Problem schon reagiert und zum Beispiel eine Sondersteuer für süße Brausen eingeführt, um vor allem junge Menschen vor allzu viel Limo-konsum zu bewahren. Hierzulande tut sich die Politik mit Regulierung schwer. Nicht einmal die Ampelkennzeichnung konnten Verbraucherschützer und Mediziner durchsetzen, obwohl die Kunden damit schnell erkennen könnten, ob bestimmte Zutaten eines Produktes in bedenklicher Menge enthalten sind. Die nächste Bundesregierung könnte sich mit so einer Verbraucherhilfe große Verdienste erwerben.