Kommentar

Regierung unter Zugzwang

Birgit Holzer über die Zukunft von Renault

Die Autoindustrie gehört auch in Frankreich zu jenen Branchen, die als absolut strategisch gelten: Ihre Gesundheit steht symbolisch für jene der Wirtschaft des Landes. Sollte Renault wirklich untergehen, würden nicht nur das Konzernmanagement und das Coronavirus dafür verantwortlich gemacht – sondern immer auch der Staat, der mit 15 Prozent weiterhin der größte Anteilseigner ist. Die Regierung ist daher in Zugzwang.

Sie reagiert richtig, indem sie an mögliche Hilfen und Garantien für Milliarden-Kredite für Renault und andere Unternehmen klare Bedingungen knüpft. Darunter gehört neben dem Schutz der eigenen Standorte und Arbeitsplätze sowie dem Verzicht auf das Auszahlen von Dividenden vor allem die Erwartung, dass die Autobranche Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit unternimmt. Sie bleibt eine der Schlüsselindustrien im Kampf für eine abgasärmere Zukunft. Corona-Pandemie hin oder her.

Zu Recht hat die französische Regierung auch Milliardenhilfen für die angeschlagene Luftfahrtgesellschaft Air France an die Zusage geknüpft, diese werde strenge Auflagen zum Umweltschutz umsetzen. Bislang handelt es sich freilich nur um Versprechen. Auf deren strikte Umsetzung muss der Staat bestehen, will er glaubwürdig bleiben.

 
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