Kommentar

Reichlich Nachholbedarf

Alexander Müller zum Thema Fußball und Rassismus

Der Berliner AK erwägt einen drastischen Schritt. Die Multi-Kulti-Truppe aus der Hauptstadt hat aus Angst vor rechtsextremen Hooligans bis gestern darüber nachgedacht, die Regionalliga-Partie beim Chemnitzer FC am Wochenende abzusagen. So weit ist es schon gekommen in Deutschland im Spätsommer 2018. Der Kampf gegen den Rassismus und Neonazis, er ist durch die fatalen politischen Entwicklungen und rechten Exzesse der vergangenen Monate wieder aktueller denn je geworden – auch und gerade im Fußball.

Der deutsche Lieblingssport hat bei diesem Thema zuletzt meistens keine gute Figur abgegeben. Im Fall Mesut Özil gab es – eine inhaltliche Bewertung der Erdogan-Fotos ausgespart – keinen einzigen DFB-Funktionär, Trainer oder Mitspieler, der den Weltmeister bis zu seinem Rücktritt gegen rassistische Anfeindungen öffentlich verteidigte. Kroos & Co. meinten hinterher nur, es gebe keinen Rassismus innerhalb der DFB-Elf. Das hatte Özil aber auch nie behauptet.

Es gibt zum Glück jedoch auch positive Ausnahmen: Zum Beispiel Frankfurts Präsident Peter Fischer, der unmissverständlich klarstellte, dass es im völligen Gegensatz zu den vom Verein propagierten Werten steht, wenn man AfD wählt. Oder Borussia Dortmund. Der BVB-Sponsor räumt heute im Spiel gegen die Eintracht die Trikotbrust – stattdessen wird dort „Borussia verbindet – gemeinsam gegen Rassismus“ zu lesen sein. Ein Vorbild, das Schule machen sollte.