Kommentar

Reserve-Chefin

Stefan Vetter über Franziska Giffey und das Ende der Plagiats-Affäre: Die Ministerin wird in der SPD weiter strahlen

Hätte sich die FU Berlin mit der Prüfung der Doktorarbeit von Franziska Giffey nicht so viel Zeit gelassen, stünde die SPD bei ihrem Auswahlverfahren für den Parteivorsitz jetzt anders da. Wäre Giffey dafür ins Rennen gegangen, hätte es vielleicht nicht einmal mehr einer Stichwahl bedurft, die die Selbstbeschäftigung der Partei nun um weitere Wochen verlängert. Hätte, hätte, Fahrradkette. Wurmen wird es viele Genossen trotzdem.

Das milde Urteil der Prüfer, wonach Giffeys Dissertation zwar ein bisschen Schummelei anhaftet, aber nicht so viel, als dass ihr der Doktor-Titel aberkannt werden müsste, hat die Sozialdemokraten vor einer neuen Katastrophe bewahrt. Schließlich hatte Giffey angekündigt, bei einem gegenteiligen Votum ihren Posten als Bundesfamilienministerin zu räumen. Immerhin das ist den Genossen erspart geblieben. Umso mehr bleibt Giffey eine Hoffnungsträgerin der Sozialdemokratie. Zumal sie so jung an Jahren ist, dass der Weg auch länger sein kann, um zu höheren Aufgaben zu gelangen. Der Zug für den Parteivorsitz ist tatsächlich erst einmal abgefahren. Aber bekanntlich hat es die SPD im Verschleiß ihrer Führungskräfte zu großer Meisterschaft gebracht.

Und egal, ob das Duo Scholz/Geywitz Sieger wird oder das Tandem Walter-Borjans/Esken – es wird zumindest fürs Erste wie eine Verlegenheitslösung wirken. Denn ein echter sozialdemokratischer Aufbruch verbindet sich weder mit dem einen noch mit dem anderen Polit-Paar. Natürlich kann sich das noch bei der Amtsausübung ändern. Falls nicht, dürfte sich die Personalfrage in der SPD wieder neu stellen. Und da ist es für die Genossen ganz gut, eine mögliche Reserve-Vorsitzende in ihren Reihen zu wissen, die jetzt wieder unbelastet strahlt.