Kommentar

Respekt und Vorwürfe

Archivartikel

Stefan Proetel über das Vorgehen der Polizei

Zu allererst: Die Polizei hat den mutmaßlichen Bankräuber von Ilvesheim gefasst – einen einschlägig vorbestraften Mann, der mit scharfer Schusswaffe Geiseln genommen und wohl 30 000 Euro gestohlen hatte. Sie hat ihn vermutlich bewusst außerhalb einer Ortschaft in einem Kreisverkehr gestoppt und überwältigt. Das ist ein Erfolg, auf den die Polizei zurecht stolz sein kann. Dennoch bleiben Fragen, die sich auf die Ereignisse am Vormittag in der Gemeinde beziehen.

Ja, Polizisten erleben einen Alarm als Ausnahmesituation. Die Lage ist unübersichtlich, das Vorgehen muss in Minutenschnelle koordiniert und umgesetzt werden. Das ist extremer Stress, weil die Beamten sich gegenüber bewaffneten Kriminellen exponieren und sich dabei mitunter in Lebensgefahr begeben. Ganz klar: Die Frauen und Männer verdienen dafür unseren größten Respekt – den sie von den meisten Bürgern auch uneingeschränkt gezeigt bekommen. Aber Bürger sind zurecht auch sensibel, wenn Polizeitaktik Fragen nach der öffentlichen Sicherheit aufkommen lässt. Das ist in Ilvesheim der Fall. Es ist auch mit Hinweisen auf die Einsatztaktik kaum vermittelbar, dass Angestellte wie Kunden noch lange nach Auslösen des Alarms unbehelligt in die Bank marschieren konnten. Wieso haben in der Nähe postierte Polizisten sie nicht daran gehindert?

Noch, das muss man fairerweise sagen, hat die Polizei den Einsatz nicht in allen Details ausgewertet. Gut möglich, dass danach manches erklärbarer und auch für Laien verständlicher wird. Denn Laien betrachten den Banküberfall und das Vorgehen sicherlich anders als Polizisten. Sie können – und dürfen – nicht alle strategischen Vorgaben kennen. Umso wichtiger ist es, dass die Experten bald Antworten geben. Sie müssen uns Laien erklären, warum mehrere Unbeteiligte durch die Einsatztaktik in Gefahr gerieten. Warum es dazu kommen konnte, dass Laien nun verwundert – und manche von ihnen richtig verärgert sind.

Zum Thema