Kommentar

Retter „ausverkauft“

Peter W. Ragge fordert Konsequenzen aus dem Einsatz

Es ist noch einmal gut gegangen. Auch wenn der Sachschaden hoch, die persönliche Einschränkung für die Mieter durch zwei erzwungene auswärtige Übernachtungen enorm ist – unter dem Strich ging der Brand im Hochhaus noch sehr glimpflich aus. Schließlich wurde niemand ernsthaft verletzt; dank dem Können der Einsatzkräfte und auch ganz viel Glück. Das alles hätte sich weitaus schlimmer zuspitzen können.

Und doch macht der Einsatz nachdenklich, sehr nachdenklich. Oft konnte man das Wort „ausverkauft“ hören. Häufiger war zu vernehmen, dass Helfer sich „an der Grenze“ fühlten, keine weiteren Kräfte oder Gerät verfügbar waren. Mancher Retter stand deutlich länger als zehn Stunden in den Stiefeln. Und wenn von zwölf in Mannheim regulär verfügbaren Rettungswagen zwei ständig am Brandort stehen, fehlen sie eben anderswo.

Veralteter Brandschutzplan

Nun ist es keine Schande, dass auch eine Großstadt wie Mannheim sich aus der Region helfen lassen muss. Die „Blaulichtfamilie“ hält gerne zusammen, und oft genug sind Mannheimer Höhenretter oder Messtechnik-Experten auswärts gefragt. Doch wenn schon zu einem, wenn auch lange andauernden, Schwelbrand Verstärkung aus Lampertheim, Eberbach und Neckargemünd kommen muss – was ist dann bei einem wirklich schlimm wütenden Großbrand mit ernsthaft Verletzten? Unter der Hand geben alle Insider zu: Ein „Parallelereignis“, sprich ein zeitgleich eintretender großer Notfall, wäre am Montag nicht beherrschbar gewesen.

Der Brandschutzbedarfsplan, auf Zahlen von 2006 bis 2011 basierend und nie ganz umgesetzt, muss daher dringend fortgeschrieben werden – und höhere Anforderungen dann auch konsequent erfüllt. Und der Bevölkerungsschutz, ehrenamtlich getragen, braucht personelle und finanzielle Unterstützung. Darüber muss der neue Gemeinderat dringend sprechen.

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