Kommentar

Rezept gegen Vorurteile

Bertram Bähr zum neu gegründeten Stadtschülerrat

 

Gymnasiasten blicken von oben herab auf vermeintlich schwache Werkrealschüler, Werkrealschüler schauen abschätzig auf angeblich elitäre Streber? Das mag es durchaus geben. Aber oft genug sind es Vorurteile, die entsprechende Einschätzungen hervorrufen. Mit dem Stadtschülerrat unternehmen Jugendliche aus ganz Mannheim einen konkreten Schritt, um solchen Vorurteilen entgegenzuwirken. Dem neuen Gremium gehören nämlich Vertreter aus verschiedensten Bereichen an.

Bei den Themen, die Monat für Monat auf die Tagesordnung kommen – etwa Mängel bei der Schülerbeförderung oder bei den Schultoiletten – werden die Ratsmitglieder dreierlei feststellen: Erstens kann man mit den jeweils anderen gut reden und diskutieren. Zweitens sind viele Probleme schulartübergreifend die gleichen. Und drittens lässt sich mehr bewegen, wenn alle an einem Strang ziehen.

Für die Stadtverwaltung liegen die Vorteile ebenfalls auf der Hand. Sie sieht sich einem ernstzunehmenden Verhandlungspartner gegenüber, der über den Tellerrand der eigenen Bildungseinrichtung blickt, für viele spricht – und anders als bisher zum Beispiel auch die Interessen der Privatschulen einbringt. So stehen der Stadt neben den drei Mitgliedern im Schulbeirat des Gemeinderats jetzt von Schülerseite Kontaktpersonen für sieben Schularten zur Verfügung.

Bleibt abzuwarten, ob die Jugendlichen einen langen Atem beweisen, um ihre Interessen wirkungsvoll durchsetzen zu können. Das Engagement, das bei der Schülerkonferenz spürbar war, lässt darauf hoffen.

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