Kommentar

Richtig so

Archivartikel

Inna Hartwich lobt den Auftritt Heiko Maas’ in Moskau: Er gibt sich nüchtern-distanziert – ein Verhalten, das die Russen schätzen.

 

Gerade einmal einen Tag nach Russlands wichtigstem Feiertag, dem Gedenken an den Sieg über das Nazi-Deutschland, kam Bundesaußenminister Heiko Maas zu seinem Antrittsbesuch nach Moskau. Die Russen und die Deutschen sind historisch eng miteinander verbunden, die Kriege, die sie gegeneinander führten, so merkwürdig das auch klingen mag, haben sie nah zusammengebracht. Kaum eine Familie, hier wie da, ist nicht involviert in dieses von Grund auf nicht ganz einfache Verhältnis. Seit Russland sich international wie ein böser Bube benimmt und stolz darauf ist, hat sich das diplomatische Verhältnis zwischen Berlin und Moskau abgekühlt. Und doch hält man in Deutschland an Russland fest. Wie auch nicht? Man fühlt sich verbunden, man braucht sich, vor allem für das Lösen internationaler Krisen. Viele in der SPD pochen auf ein entspannteres Verhältnis zu Moskau, Maas aber setzt auf nüchternes Herangehen – und macht vieles richtig. Will die deutsche Politik von Russland ernstgenommen werden, muss sie Kritik anbringen. Sachlich sagen, was ihr, geprägt durch das Verständnis demokratischer Werte, an der Haltung russischer Politik nicht gefällt. Moskau mag keine Anbiederung, es nimmt den Partner ernst, der für seine Sache einsteht. Geduldig und entschlossen, mag es auch noch so distanziert erscheinen.