Kommentar

Richtig – und falsch!

Roger Scholl zu den Irritationen wegen des Treffens

Die Diplomatie ist mitunter ein heikles Terrain – zumal, wenn es um Beziehungen zu den immer wieder von Konflikten und Kriegen erschütterten Regionen dieser Welt geht. Hier braucht es ein Höchstmaß an Fingerspitzengefühl, hier gilt es abzuwägen zwischen der Sache, zwischen der Person und der diplomatischen Etikette. Die Stadtspitze, der im Vorfeld dieses Treffen die persönlichen Hintergründe ihres Gesprächspartners bekannt waren, hat hier manches richtig gemacht – und einiges falsch.

Richtig ist es, Entwicklungshilfe-Projekte mit der palästinensischen Seite voranzutreiben, denn gerade das Entwicklungsgefälle zwischen Israel und den Palästinensergebieten befeuert den Nahost-Konflikt dauerhaft. Wer Entwicklungsprojekte anstößt, kann langfristig betrachtet auch einen Beitrag zu Frieden und Verständigung leisten.

Freilich gilt es stets auch abzuwägen, welche Emotionen die diplomatische Etikette gerade auch unter den jüdischen Mannheimern auslösen kann. Ihre Reaktionen auf solche – formalen – Gesten, sind verständlich, viele von ihnen haben Familie, haben Freunde in der Krisenregion. Auch das hätte man wissen und berücksichtigen und eine andere Form der Begegnung wählen müssen.

Peter Kurz hat eingesehen, dass dies ein Fehler war. Wer ihn kennt und weiß, wie sehr ihm die Unterstützung der jüdischen Gemeinschaft hier am Herzen liegt, der kann ihm nicht unterstellen, dass er absichtlich den Affront provoziert hat.

 
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