Kommentar

Richtige Einstellung

Archivartikel

Frank Schumann zum Konjunkturausblick für 2019

Wirtschaftslenker sind eher selten fantasiebegabte Menschen, und so bedienen sie sich in aller Regel auch regelmäßig wiederkehrender Sprachbilder. Zu den am weitest verbreiteten gehören die „dunklen Wolken am Konjunkturhimmel“, die bei düsteren Ausblicken wahlweise als „Gewitterwolken“ aufziehen. Doch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat Recht, wenn er seiner vorsichtigen Prognose für 2019 hinzufügt, dass man die Konjunktur nicht kaputtreden dürfe – das ist die richtige Einstellung.

Nicht nur, dass Psychologie ein bestimmender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung ist. Auch die nüchternen Fakten sprechen im Moment – bildhaft ausgedrückt – nicht für eine drastische Abkühlung der Konjunktur. Die deutsche Exportwirtschaft verzeichnet absehbar ein erneutes Rekordjahr, die Auftragslage ist weiter gut und die Erwerbstätigkeit war zuletzt auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Das wiederum stützt den privaten Konsum, ebenso wie die zum Jahresende wieder leicht rückläufige Inflation, die sich aus dem Klammergriff hoher Energiepreise befreien konnte. Angesichts dieser Entwicklung könnte auch die Rückkehr der Europäischen Zentralbank zu einem normalen Zinsniveau womöglich gegen Jahresende eher sanft beginnen. Die Gewitterwolken am Konjunkturhimmel lassen sich nicht leugnen. Was Deutschland bevorstehen könnte, ist aber erst einmal geringeres Wachstum – und kein Konjunktureinbruch.