Kommentar

Richtige Entscheidung

Archivartikel

Sebastian Koch zur Verlegung der Olympischen Spiele

Der Druck auf den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, und den japanischen Ministerpräsidenten, Shinzo Abe, ist zu groß geworden. Das IOC und Abe haben die Spiele verlegt – und damit eine richtige, eine vernünftige Entscheidung getroffen, die weit über die Sportwelt hinaus Gehör finden wird.

Die Entscheidung verhindert, dass Japan Spiele austrägt, bei denen nicht sportliche Höchstleistungen, sondern der Boykott im Vordergrund steht. Bach selbst war Opfer des Boykotts der Olympischen Spielen 1980 in Moskau und konnte seine Goldmedaille von 1976 im Florettfechten nicht verteidigen. Nun hat er sportpolitisch gerade noch die Kurve bekommen – auch wenn angesichts des langen Zögerns die Aussage, „Finanzen hätten jetzt keine Priorität“ wenig glaubhaft klingt.

Olympische Spiele wären angesichts der weltweiten Einschnitte in das öffentliche und private Leben nicht vermittelbar gewesen. Mit der Verlegung stuft das IOC das Virus als so schwerwiegend ein, dass Spiele nicht durchführbar seien. Das Komitee leistet damit in Japan, wo Präventionsmaßnahmen gar nicht oder nur langsam anlaufen, einen wichtigen Beitrag. Noch am Sonntag hatten sich zehntausende Japaner am Bahnhof von Sendai gedrängt vor der Olympischen Flamme versammelt.

Auf der Entscheidung ausruhen, dürfen sich Bach und das IOC keineswegs. Schnellstmöglich muss ein Ersatztermin gefunden werden, auf den Sportler ihre Vorbereitung ausrichten dürfen.

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