Kommentar

Richtige Konsequenz

Peter W. Ragge zur Mannheimer Vertretung in Stuttgart

Ist es Spielerei, ist es Eitelkeit? Es mag sich so anhören – aber das wäre falsch: Mannheim braucht eine „Botschaft“ in Stuttgart.

Man muss es leider so drastisch sagen: Für viele Menschen, die in der Landeshauptstadt an entscheidenden Positionen sitzen, hört ihr Horizont an den Hängen des Stuttgarter Talkessels auf. Die Nordwestecke des Landes mit ihren ganz eigenen Problemen hat man da nicht auf dem Schirm. Mannheim findet – teils wegen der ohne bösen Willen eingeschränkten Perspektive, teils aus Geringschätzung – einfach gedanklich nicht statt. Im Landeskabinett gibt es seit Jahrzehnten keinen Mannheimer mehr, auch nicht an anderen Schaltstellen oder in den Vorständen der großen politischen Parteien. Und vielen Mannheimer Kommunalpolitikern fehlt der Einfluss, ja der Zugang in Stuttgart. Daraus resultiert eine strukturelle Benachteiligung.

Daher war es eine gute Idee von Oberbürgermeister Peter Kurz, als Ausgleich einen „Botschafter“ zu berufen. Dietmar von Hoyningen-Huene erwies sich als Idealbesetzung. Als leidenschaftlicher Kurpfälzer, aber in Stuttgart bestens vernetzt bis in die obersten Etagen, konnte er mit der Souveränität eines (Un-)Ruheständlers äußerst erfolgreich für Mannheim „Klinken putzen“, Fäden ziehen, Türen öffnen und Wege ebnen – auch wenn nicht mit allen Landtagsabgeordneten und Ämtern die Kooperation klappte.

2016 hieß es dann, der Persönliche Referent des Oberbürgermeisters werde diese Arbeit künftig miterledigen. Doch das war und ist neben dem Knochenjob im Rathaus gar nicht zu leisten. Nach über drei Jahren hat man daraus nun die richtige Konsequenz gezogen und die Stelle wieder besetzt.

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