Kommentar

Richtiger Ansatz

Archivartikel

Stefan Vetter über bessere Terminvergaben in Arztpraxen

Diese leidige Erfahrung hat wohl schon jeder Kassenpatient gemacht: Bis man einen Termin beim Facharzt bekommt, vergeht manchmal eine halbe Ewigkeit. Und dieser Zustand hat sich eher noch verschlimmert. Nach einer aktuellen Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung geben inzwischen 32 Prozent der gesetzlich versicherten Patienten an, länger als drei Wochen auf einen Besuch beim Spezialisten warten zu müssen – vier Prozent mehr als noch 2017.

Es ist deshalb aller Ehren wert, dass Gesundheitsminister Jens Spahn diesem Problem nun per Gesetz zu Leibe rücken will. Allerdings birgt sein jetzt vom Kabinett verabschiedeter Entwurf auch Risiken und Nebenwirkungen. Die Grundidee besteht darin, niedergelassene Mediziner mittels einer besseren Honorierung zur Behandlung von mehr Patienten zu bewegen. Das ist sicher nicht verwerflich.

Wird zum Beispiel ein neuer Patient behandelt, winkt eine höhere Vergütung. Doch was für die einen gut ist – nicht selten bekommen neue Patienten noch viel schwieriger einen Termin –, könnte für die anderen zum Bumerang werden. Den Nachteil haben womöglich angestammte Patienten, die auf Folgetermine angewiesen sind. Auch Patienten, die über eine Terminservicestelle vermittelt werden, sollen den Praxisärzten künftig mehr Geld bringen. Im Umkehrschluss könnte es weniger erfolgversprechend werden, direkt beim Facharzt um einen Termin zu bitten. Denn in einem solchen Behandlungsfall bleibt finanziell alles beim Alten. Und so gut es klingt, wenn die Praxen mindestens 25 Sprechstunden pro Woche anbieten müssen– viele tun das schon. Also dürfte die Wirkung begrenzt sein. Interessant wird also der Praxistest. Sollte sich Spahns Vorlage nicht bewähren, muss nachgesteuert werden.

 
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