Kommentar

Richtiger Weg

Jürgen Berger zur Situation der deutschen Volleyballerinnen

Die deutschen Volleyballerinnen haben bei der Europameisterschaft eindrucksvoll bewiesen, dass sie den Abstand zu den absoluten Top-Teams weiter verkürzt haben. Der Sieg über Rekord-Europameister Russland war dabei ein wichtiges Ausrufezeichen, genauso wie die Entwicklung von Führungsfigur Louisa Lippmann. Die gute Teamchemie und der unbändige Wille, nicht aufzugeben, sind weitere Erfolgsfaktoren, die Mut für die Zukunft machen.

Die DVV-Auswahl, die zu den jüngsten Mannschaften bei den stark besetzten Kontinentalmeisterschaften zählt, ist noch lange nicht am Limit. Neben fehlender Erfahrung und Wettkampfhärte auf höchstem Niveau müssen die „Schmetterlinge“ vor allem an ihrem Annahmespiel und der Athletik arbeiten.

Bundestrainer Felix Koslowski, der in Doppelfunktion auch noch Coach des Bundesligisten aus Schwerin ist, weiß genau, wo er ansetzen muss. Um den nächsten Schritt zu machen, braucht er allerdings die Unterstützung der Vereine. Sie müssen die Rahmenbedingungen weiter verbessern. Denn gerade in diesem Punkt hat das deutsche Volleyball noch immer einen großen Rückstand auf Nationen wie Polen. Um von ihrem Sport als Vollzeit-Profi gut leben zu können, bleibt den Nationalspielerinnen nur der Weg ins Ausland.

Das Beispiel Louisa Lippmann zeigt allerdings auch, wie hilfreich der Wechsel in eine Topliga sein kann. Die 24-jährige Diagonalangreiferin, die es nach einem Jahr in Florenz nach China zieht, ist das Gesicht der DVV-Frauen geworden, die über das Potenzial verfügen, in den kommenden Jahren in den Kreis der Medaillenkandidaten aufzurücken. Das nächste große Ziel ist allerdings das Olympia-Qualifikationsturnier im Januar, wo es um das letzte europäische Ticket für Tokio geht.