Kommentar

Riesiges Potenzial

Archivartikel

Thorsten Hof zieht eine Bilanz der Darts-WM in London

Vor zehn Jahren hätte es wohl kaum jemand für möglich gehalten, dass eine der ersten morgendlichen Meldungen in den Radio-Nachrichten den neuen Darts-Weltmeister verkündet, dass alle großen Medien auf den Sport mit den kleinen Pfeilen einsteigen und dass die WM in London auch dieser Zeitung einen Kommentar wert ist. Doch die Zeiten haben sich geändert. Von einer lange als Party-Event belächelten Veranstaltung hat sich der Höhepunkt der Darts-Saison inzwischen zu einem Fixpunkt im Sport-Kalender entwickelt, weil mittlerweile mehr und mehr anerkannt wird, welche Höchstleistungen in Sachen Präzision, Konzentration und mentaler Stärke hier abgeliefert werden – und die WM in London ganz geschickt in der ereignisarmen Zeit zwischen den Jahren platziert und entsprechend vermarktet wurde.

Zu dieser Erfolgsgeschichte passen dann natürlich bestens solche Darts-Märchen wie das um Peter Wright, der nach seinem ersten WM-Finale 2014 schon ans Aufhören dachte und nun ausgerechnet auf der größten Bühne seine schwarze Serie gegen den Dominator der Szene beenden konnte. Nach neun Final-Niederlagen gegen Michael van Gerwen bei großen Turnieren in Folge hätte der zum Paradiesvogel stilisierte Schotte den Zeitpunkt für den letzten Schritt an die Weltspitze nicht besser wählen können.

Und auch Fallon Sherrock nutzte die Gunst der Stunde und bewies, dass Frauen im jahrzehntelang männerdominierten Sport aus der Kneipen-Kultur längst mehr sein können als nur schmückendes Beiwerk dank ein paar Quotenplätzen. Auch hier wird sich Darts weiterentwickeln und hat sein riesiges Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.