Kommentar

Risse im Fundament

Archivartikel

Hagen Strauß über das schwierige Verhältnis zwischen Kanzlerin Angela Merkel und der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer

Es gibt kein Zerwürfnis zwischen Angela Merkel und mir.“ Dieser Satz wird CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer eventuell mal einholen. Spätestens, wenn die Saarländerin ihre angestrebte Kanzlerkandidatur ad acta legen muss. Dann wird nicht nur gefragt werden, warum es AKK vergeigt hat. Sondern auch, wann die Bundeskanzlerin welche unrühmliche Rolle dabei spielte. Der Satz könnte sich dann als ein wenig blauäugig entpuppen. Oder vielleicht sogar als falsch.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann freilich noch nicht von einem Zerwürfnis die Rede sein. Allerdings gibt es Hinweise, dass das Fundament des Damen-Bündnisses ein paar Risse erlitten hat. Mehr noch, man setzt sich inzwischen gegenseitig Nadelstiche. Die eine, um ihre noch vorhandene Macht zu verdeutlichen; die andere, um ihren Machtanspruch wieder klar zu untermauern.

Die Debatte über die getrennten Flüge in die USA mag für Kramp-Karrenbauer „absolut befremdlich“ gewesen sein. Aber auch die CDU-Chefin weiß, dass solche Dinge nicht zufällig geschehen. Merkel hat mal kurz gezeigt, wer noch das Sagen hat, zulasten ihrer Verteidigungsministerin. Ohne großen Aufwand, aber mit viel Wirkung. Wer anderes glaubt, ist politisch naiv. AKK wiederum lud am Sonntagabend ihre Stellvertreter zu sich ein, um wichtige Dinge für die Ausrichtung der CDU zu besprechen.

Nun bekleidet Merkel kein Parteiamt mehr. Deswegen darf man das nicht so hoch hängen. Aber die Kanzlerin ist nach wie vor diejenige, von der erwartet wird, dass sich CDU-Politik im Regierungshandeln widerspiegelt. Im Kontext der Diskussion um die zwei Flugzeuge hätte sich Kramp-Karrenbauer im Klaren sein müssen, wie der Vorgang bewertet werden würde – als kleine Retourkutsche. Das alles kann man als Spielchen abtun. Aber solche Spielchen können in der Politik große Folgen haben. Welche, das wird sich in den nächsten Monaten zeigen.