Kommentar

Rolle rückwärts

Archivartikel

Alexander Müller zum neuen Mainzer Trainer Svensson

Wenn man einen Punkt festmachen will, an dem der FSV Mainz 05 von seinem Weg abgekommen ist, stößt man auf den 10. November 2019. Die Beurlaubung des damaligen Trainers Sandro Schwarz markiert den entscheidenden Einschnitt, seit dem sich die Negativspirale bei den Rheinhessen richtig rasant dreht. Zwar schaffte dessen Nachfolger Achim Beierlorzer noch den Klassenerhalt, aber der FSV hatte seine Werte verraten. Die Mainzer opferten unter dem Eindruck einer Ergebnisdelle einen Trainer mit Stallgeruch und hoher Identifikation, statt mit professioneller Gelassenheit durch die Krise zu navigieren, wie sie es in der Vergangenheit immer erfolgreich praktiziert hatten. Die Folgen waren letztlich nur wachsendes Chaos und ein beschleunigter sportlicher Abwärtstrend.

Mit ihrem neuen Trainer Bo Svensson üben die Nullfünfer nun die Rolle rückwärts. Er ist die Lösung Sandro Schwarz 2.0. Der Däne kennt den Verein als Ex-Profi und Coach im Nachwuchsbereich aus dem Effeff, er ist im Umfeld beliebt und besitzt das Mainz-05-Gen.

Ob das reicht, um eine in vielen Bereichen unzureichend zusammengestellte Mannschaft vor dem Abstieg zu bewahren, ist fraglich – nur sechs Punkte aus 14 Spielen stellen eine schwere Hypothek dar. Aber Svensson ist ein Mann, dem die Fans auch Niederlagen verzeihen werden, wenn es ihm wenigstens gelingt, die zuletzt verschütt gegangenen typischen Mainzer Tugenden wiederzubeleben. Und sollte es am Ende tatsächlich zum ersten Mal seit 2007 wieder zurück in die 2. Liga gehen, besäße der 41-Jährige bei Fans und Verantwortlichen wohl auch genügend Kredit, um den notwendigen Neuaufbau im Sommer anzugehen. Mit Mainzer Werten.