Kommentar

Rom steht Kopf

Archivartikel

Julius Müller-Meiningen ist der Meinung, dass der italienische Innenminister Salvini Chaos in der Regierung ausgelöst hat

Wer am Dienstag miterlebte, wie der italienische Premierminister Giuseppe Conte seinen neben ihm sitzenden Innenminister Matteo Salvini im Senat zurechtwies und für den Bruch der Koalition zwischen Fünf-Sterne-Bewegung und Lega kritisierte, der musste tatsächlich davon ausgehen, dass die Welt auch in Rom verrückt spielt.

Der Innenminister beschwichtigte seine Lega-Abgeordneten, die ihren Chef Salvini mit empörten Zwischenrufen zu verteidigen versuchten. Strotzendes Selbstbewusstsein oder klammheimliche Aufgabe? Die Sommerkrise in Rom nimmt nun wirklich groteske Züge an. Der Rechtsaußen-Mann Salvini ließ die Regierung platzen, weil er sicher war, bei Neuwahlen seinen Kredit bei den Italienern eintreiben zu können und selbst Regierungschef zu werden. Stattdessen hat sein falsches Timing die politischen Mumien in Rom geweckt, den sozialdemokratischen Ex-Premier Matteo Renzi und Sterne-Gründer Beppe Grillo.

Sie werden sich mithilfe von Stellvertretern in den kommenden Wochen an einer Allianz versuchen, die eine komplett andere Politik als die Scharfmacherei der Lega verspricht. Das ursprünglich linke Profil der Fünf-Sterne-Bewegung, die die schamlose Innenpolitik Salvinis mittrug, würde dann wieder zum Vorschein kommen.

Wie dieser Pakt ohne Wahlen den politikmüden Italienern schmackhaft zu machen ist, ist fragwürdig. Noch ist er nicht viel mehr als die Fantasie derjenigen, die Salvini für eine Gefahr halten. Doch wird der Plan Wirklichkeit, wäre die Groteske perfekt.

 
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