Kommentar

Roter Punkt

Archivartikel

Peter Reinhardt kritisiert das Tauziehen beim Wohnungsbau

 

Diesen platten Kompromiss in ihrem ewigen Streit um Erleichterungen beim Bauen hätten Grüne und CDU schon vor mehr als einem Jahr haben können. Jede Seite darf sich jetzt eine Trophäe an den politischen Hut heften – bei den Fahrradstellplätzen gaben die Grünen nach, bei der Begrünung die Schwarzen.

Darüber mehr als ein Jahr zu streiten, ist angesichts der unbestreitbaren Wohnungsnot lächerlich. Es ging da gar nicht mehr um die Sache, sondern ums ideologiegetriebene Rechthaben. Die Wirkung des Stillstandes war verheerend. Offenkundig geht beiden Parteien das Gespür dafür ab, welches Ausmaß inzwischen der Mangel an bezahlbarem Wohnraum gerade in Baden-Württemberg hat. Mit rund 40 000 Wohnungen bleibt die Zahl der Fertigstellungen weit unter dem von unabhängigen Experten errechneten Bedarf von 60 000.

Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wächst also kontinuierlich – kein Wunder bei wieder steigender Bevölkerungszahl. Trotzdem glauben die Politiker in vielen Städten, dass es ohne die Ausweisung neuer Baugebiete geht. Dabei ist der Flächenmangel die stärkste Triebfeder für die Preise. Auch die Landespolitik trägt ihr Scherflein dazu bei, dass der Wohnungsmarkt immer weiter aus dem Lot gerät. Es braucht mehr finanzielle Förderung. Daneben ist die Lockerung der Landesbauordnung ein sinnvoller Schritt, sozusagen ein grünes Licht für den Roten Punkt, den jede Baustelle braucht.