Kommentar

Rücktritt an der Zeit

Archivartikel

Susanne Knaul zu den Äußerungen von Mahmud Abbas

 

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verkörpert das traurige Bild eines mit seiner Sehnsucht nach Eigenstaatlichkeit gescheiterten Volkes. Erschöpft und geschlagen ringt er nach Aufmerksamkeit, bereit für jedes Mittel, sei es noch so kontraproduktiv. Israel sei ein kolonialistisches Projekt ohne jeden Bezug zu den Juden, schimpfte er vor dem Palästinensischen Nationalrat. Pogrome und Holocaust seien Folge von Wucher und Banken und des Sozialverhaltens der Juden.

Mit derart geistlosen Provokationen verschafft sich Abbas zwar kurzfristig Schlagzeilen, nährt aber gleichzeitig den Verdacht, dass es um seinen Verstand nicht mehr allzu gut bestellt ist. Die Quintessenz seiner Rede, nämlich dass er trotz alledem keineswegs ein Ende des Staates Israel vor Augen hat, sondern nach wie vor die Koexistenz der zwei Staaten Palästina und Israel, hat in der Aufregung kaum noch jemand mitbekommen. Und es spielt auch kaum noch eine Rolle, denn wie kann Abbas’ lange Vorrede anders interpretiert werden, als ein Versuch, seinem israelischen Gegenpart im Friedensprozess die letzte Lust an Verhandlungen zu nehmen?

Besser hätte der Palästinenserchef die israelische Führung nicht bedienen können bei ihrer Argumentation, sie habe keinen Partner für Verhandlungen. In Gedanken wird Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu dem Chef in Ramallah die Füße küssen. Der stockende Friedensprozess und Israels Siedlungsbau im besetzten Land gehören zu den brennenden Themen. Abbas hat keine Antworten zur Hand. Höchste Zeit für den alternden Palästinenserpräsidenten, Abschied von der Politik zu nehmen.

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