Kommentar

Sache des Vertrauens

Archivartikel

Christian Schall über die Hygiene in Lebensmittelbetrieben

Wir werden nie erfahren, wo das nebenstehende Bild mit dem überquellenden Pizzateig entstanden ist. Den Internet-Pranger hat die Stadt – anders übrigens als Heidelberg und der Rhein-Neckar-Kreis – vor Jahren nach kurzer Zeit wieder abgeschafft. Das ist einerseits bedrückend, weil man schon gerne wüsste, wer da die bestehenden Regeln nicht eingehalten, damit die Gesundheit seiner Gäste gefährdet und obendrein sich das Ganze auch noch gut bezahlen lassen hat. Andererseits könnte es die Illusion zerstören, dass es schon nicht in der Küche des eigenen Lieblingsitalieners war. Das wäre angesichts des großen Vertrauensverlusts die noch viel herbere Enttäuschung.

Vielleicht ist es manchmal besser, wenn man nicht alles weiß, was sich im unsichtbaren Bereich eines gastronomischen Betriebs verbirgt. Umso wichtiger ist es, dass man das Wissen denen überträgt, die sich richtig darum kümmern: den Mitarbeitern der Lebensmittelüberwachung. Sie leisten einen wichtigen Job.

Die Beanstandungsquote ist rückläufig, die Zahl der Betriebsschließungen in etwa gleich – wenn auch auf niedrigem Niveau. Doch bei Straf- und Bußgeldverfahren sowie gebührenpflichtigen Verwarnungen sind die Zahlen ähnlich wie im Vorjahr. Sie belegen, dass einige Betriebe Sauberkeit und Hygiene immer noch anders interpretieren und offensichtlich nur mit Sanktionen zu erziehen sind.

Solange dieser Zustand besteht, muss der Verbraucher den Kontrollen vertrauen – und seinem Instinkt . Und beim Betreten einiger Lokalitäten auch ein zweites Mal hinschauen.