Kommentar

Sachlich, bitte!

Archivartikel

Birgit Holzer zur Islam-Debatte in Frankreich

Kaum ein Thema hat Frankreich zuletzt so beschäftigt wie die 16-jährige Mila. Nachdem die Schülerin in einem Video im Internet über den Islam hergezogen war, erhielt sie tausende Mord- und Gewalt-Androhungen, so dass sie untertauchen musste. Der Umgang mit dem Islam und die Gefahr der Radikalisierung bleibt ein sensibles Thema in dem Land, in dem schätzungsweise knapp jeder zehnte Einwohner muslimischen Glaubens ist.

Reibungen gab es seit jeher, zumal ein Gesetz seit 1905 die Laizität vorsieht, also die strikte Trennung von Religion und Staat. Mit ihr argumentiert die Rechtspopulistin Marine Le Pen, deren Partei Rassemblement National ihr Programm auf der Ablehnung des Islam aufbaut. Ähnlich wie die AfD in Deutschland treibt sie die anderen Parteien vor sich her: Während die Konservativen mit der unmissverständlichen Abgrenzung von den Rechtsnationalen ringen, tut sich auch die Linke, die die pauschale Stigmatisierung der Muslime ablehnt, schwer mit einer klaren Haltung. Das kann dann zu Aussetzern führen wie der Reaktion der sozialistischen Ex-Ministerin Ségolène Royal auf die Hassbotschaften an Mila, die der Schülerin eine Mitschuld daran gab. Todesdrohungen seitens anonymer Radikaler zu rechtfertigen hat nichts mit dem notwendigen Respekt vor friedlich praktizierenden Muslimen zu tun.

Präsident Emmanuel Macron will demnächst Vorschläge zum Kampf gegen die Radikalisierung sowie zur Finanzierung des Islam bringen. Angesichts des von Misstrauen geprägten Klimas erscheint eine ruhig und sachlich geführte Debatte überfällig.

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