Kommentar

Sackgasse

Archivartikel

Thomas Spang befürchtet in Nahost eine Gewaltspirale

Die Iran-Krise lässt die schlimmsten Befürchtungen zu Beginn der Amtszeit Donald Trumps wahr werden. Ein impulsiver US-Präsident führt die Supermacht mit seinen sprunghaften Handlungen in eine strategische Sackgasse, aus der es ohne Ansehensverlust kaum mehr einen Ausweg gibt. Die ersten Konsequenzen des tödlichen Drohnenschlags gegen den Führer der iranischen Revolutionsgarden, Ghassem Soleimani, liegen schon auf der Hand: Nach einem fragwürden Krieg verlieren die USA 17 Jahre später ihre strategische Militärpräsenz in Irak. Paradoxerweise erfüllt Trump damit den Herzenswunsch der Mullahs in Teheran, deren höchste Priorität darin bestand, einen Keil zwischen den Irak und die USA zu treiben. Politisch bleibt der Regierung in Bagdad kaum etwas anderes übrig, als auf Distanz zu Washington zu gehen.

Gleichzeitig unterminiert Trump mit seiner Politik die iranische Opposition. Besser als die Schergen der Mullahs es jemals könnten, erstickt Trump jeglichen Protest gegen das Regime. Die Iraner stellen sich hinter ihre Regierung, weil sie den Schlag gegen Soleimani als Angriff auf die Souveränität ihrer Nation begreifen.

Die Konsequenzen werden wahrscheinlich Blut und Tränen sein. Zumal es nun keine Alternative zu dem in Scherben liegenden Atomabkommen mehr gibt. Das macht es für beide Seiten nur noch schwer möglich, von der Spirale aus Gewalt abzuspringen. Am Ende könnte sich das für Trump selber als verhängnisvoll erweisen. Mit großer Attitüde aber wenig Verstand steuert er die Supermacht in ein Abenteuer, auf das er selber nicht vorbereitet ist.