Kommentar

Sanders positioniert sich besser als alle anderen

Das Orakel von New Hampshire sagt einen demokratischen Sozialisten oder einen Wunderjungen aus der Provinz als Präsidentschaftskandidat der Demokraten voraus. Denn noch nie zuvor in der Geschichte der Vorwahlen hat die Partei jemanden auf den Schild gehoben, der hier nicht als erster oder zweiter über die Ziellinie ging. Der älteste Kandidat im Bewerberfeld, ist dabei besser positioniert als jüngste. Denn Bernie Sanders hat im Lager der Progressiven seine Konkurrentin Elizabeth Warren klar abgehängt. Der 38-jährige Pete Buttigieg geht im Lager der Moderaten dagegen einer ungewissen Zukunft entgegen.

Der Senator aus Vermont spürte zwar den Atem des Bürgermeisters aus South Bend im Nacken, doch der schaffte es nicht an ihm vorbeizuziehen. Er konnte nicht so von dem Absturz Joe Bidens profitieren, wie er erhofft hätte. Vor allem den älteren Biden-Fans war Buttigieg zu jung oder zu schwul. Davon profitierte die Senatorin aus Minnesota, Amy Klobuchar, die sich als weniger riskante Herausforderin Donald Trumps empfahl. Dank einer starken Debatte vergangenen Freitag schlüpfte sie in die Rolle des "Dark Horse", also der Überraschungs-Kandidatin. Doch im großen Lauf der Dinge wird ihr dritter Platz in New Hampshire nicht viel mehr als eine Fußnote sein. Klobuschar hat weder genügend Geld noch Organisation vor Ort, bis zum Super-Dienstag am 3.März in den 15 Bundesstaaten, darunter Kalifornien und Texas, ernsthaft zu konkurrieren. Aber sie bremst Buttigieg Fahrt an die Spitze der Moderaten effektiv aus. Seinen Beitrag dazu leistet auch Vizepräsident Biden, der nach seinem enttäuschenden vierten und fünften Platz in Iowa und New Hampshire die Chance verpasst hat, das Richtige für seine Partei zu tun.

"Onkel Joe" müsste jetzt mit großer Geste zurücktreten, sein Gewicht hinter den jungen Buttigieg werfen und sich als Mentor anbieten. Doch in der Wahlnacht wirkt er eher wie ein tragischer alter Mann, dem jemand sagen müsste, dass es vorbei ist. South Carolina wird ihn nicht retten. Wie die Moderaten sich vor vier Jahren bei den Republikanern gegenseitig blockierten und damit Donald Trump den Weg ebneten, zeichnet sich nun dieselbe Dynamik bei den Demokraten ab. Der radikalste Kandidat profitiert dabei von dem Ego und der Uneinigkeit im Lager der Moderaten. Dieses wird sich am Super-Dienstag noch weiter aufsplittern, wenn Michael Bloomberg erstmals um dieselben Wähler buhlt. Der Milliardär wird damit nicht zum Retter der Demokraten, sondern zum Wahlhelfer des linken Sanders, der die Stimmen der Progressiven geschlossen hinter sich hat.

Egal wie sehr Pete Buttigieg und Amy Klobuchar ihren zweiten beziehungsweise dritten Platz bei den Vorwahlen in New Hampshire hochspielen, für beide gibt es keinen klaren Pfad zur Nominierung. Als Politiker aus weißen Staaten im Mittleren Westen fehlen ihnen die Netzwerke in die Latino- und Schwarzen-Gemeinden hinein, die nun in Nevada und South Carolina wichtig werden. Der einzige Gewinner der Wahlnacht von New Hampshire heißt Bernie Sanders, der einen Politikwechsel verspricht. Er führt nun unbestritten den progressiven Flügel der Partei, während die Moderaten vielleicht noch über Monate um die Führung streiten. Seine Chance, Herausforderer Donald Trumps zu werden, sind dramatisch gestiegen. Der Präsident wird nun sehr bald mit seiner Roten-Socken-Kampagne gegen den Favoriten um die Nominierung der Demokraten beginnen.

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