Kommentar

Schadenfreude unangebracht

Archivartikel

Finn Mayer-Kuckuk zur Entwicklung von Airbus

Airbus ist erstmals seit acht Jahren wieder die Nummer eins im Flugzeugbau. Das Unternehmen sollte sich darauf aber nicht zu viel zugutehalten. Denn der vermeintliche Erfolg beruht vor allem auf den Abgründen beim Rivalen Boeing. Außerdem schaden die Probleme des US-Anbieters der Branche auch insgesamt. Und früher oder später drohen auch bei Airbus wieder schlechte Nachrichten. Denn moderne Technik erzeugt immer wieder Überraschungen, selbst wenn der Umgang damit nicht so fahrlässig erfolgt wie bei Boeing.

Es spricht natürlich für richtige Entscheidungen von Airbus, wenn die eigenen Flugzeuge viel besser dastehen. Das Unternehmen hat mit der Entscheidung zur Entwicklung der effizienten A320neo-Familie schon früh die richtigen Weichen gestellt. Deren Markteinführung hat Boeing dermaßen unter Druck gesetzt, dass die Manager Sicherheitsbedenken in den Wind geschlagen haben. Zugleich haben sich die Systeme bei Airbus als ausgereifter erwiesen. Aber auch hier kann das Zusammenspiel aus Fluglage, Beladung und anderen Faktoren theoretisch zu einer unsicheren Situation führen.

Fliegen wird immer weiter automatisiert. Am Ende der Entwicklung steht fast sicher das vollständig selbststeuernde Flugzeug, auch bei Manövern wie Start und Landung. Gerade in der Anfangsphase jeder neuen Technikgeneration wird es sowohl bei Boeing als auch bei Airbus zu Pannen kommen. Das liegt in der Natur der Technik. Airbus tut daher gut daran, sich Schadenfreude und Triumphgeschrei zu verkneifen.

 
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