Kommentar

Schädlich für die Sache

Die Fridays-for-Future-Bewegung kennt inzwischen jedes Kind. Das Bündnis Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Aussterben) dagegen dürfte bislang eher nur erfahrenen Klima-Aktivisten ein Begriff gewesen sein. Zumindest in Berlin haben die Klima-Rebellen nun ihren Bekanntheitsgrad spürbar erweitert. Am Montag legten sie zentrale Verkehrsknotenpunkte lahm und fanden sich spontan zu Sitzblockaden im öffentlichen Raum zusammen.

Ob sich damit wirklich das Klima retten lässt? Keine Frage, Fridays for Future hat dafür gesorgt, dass Umwelt und Klimaschutz in aller Munde sind. Deshalb kommt auch die Politik längst nicht mehr an dem Problem vorbei. Offenbar haben sich aber auch Teile der Umweltschutzbewegung stark radikalisiert. Ihre Aktionen sind dazu angetan, einen Keil in die Protestbewegung zu treiben und einem berechtigten Anliegen schweren Schaden zuzufügen.

Wer gestern früh mit dem Auto im Stau stand, einen wichtigen Termin verpasst hat, oder vielleicht sogar den Flug in den Herbsturlaub, dürfte nicht gerade sein Herz für solche Formen des Widerstands entdeckt haben. Und für die eigentliche Sache womöglich auch nicht.

Streit ist erlaubt

Sicher darf man darüber streiten, ob die Bundesregierung mit ihrem geplanten Klimapaket wirklich alle Zeichen der Zeit erkannt hat. Die Tatsache allerdings, dass die anvisierten Maßnahmen der Wirtschaft viel zu weit, Klimaschützern aber längst nicht weit genug gehen, lässt eine Kompromisslösung vermuten, die so schlecht nun auch wieder nicht sein kann. Denn bei einem echten Kompromiss ist niemand voll zufriedengestellt.

Fest steht: Umweltschutz müssen sich auch jene leisten können, für die der tägliche Arbeitsweg mit dem Auto absehbar ohne Alternative ist. Andernfalls wird die gesellschaftliche Unterstützung schwinden. Und das wäre im Kampf gegen den Klimawandel wirklich fatal. Fridays for Future sollte sich von den radikalen Kräften distanzieren.

 
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