Kommentar

Schalkes Scheitern

Archivartikel

Alexander Müller zur Krise beim großen Traditionsverein

Ein großer Traditionsverein wie der FC Schalke 04 bietet das komplette Spektrum emotionaler Ausschläge an. Pure Ekstase, wenn der Erfolg da ist. Weltuntergangsstimmung in der Krise – wie die teils bizarren Szenen nach dem markerschütternden 0:4 gegen Fortuna Düsseldorf beweisen. Wenn Domenico Tedesco wie erwartet Anfang der Woche als Trainer in Gelsenkirchen beurlaubt wird, ist der nächste Versuch krachend gescheitert, diesen im Ruhrgebiet fast schon religiös verehrten Club zu einem konstanten Topteam zu entwickeln, das mittelfristig um die erste Meisterschaft seit 1958 spielen kann. Anspruch und Wirklichkeit haben sich in den vergangenen Jahren auf Schalke selten miteinander vertragen.

Der autoritäre Ansatz Felix Magaths funktionierte ebenso wenig wie die Rückholaktion von Kult-Trainer Huub Stevens. Da Jens Keller zwar gute Ergebnisse ablieferte, aber in der Außendarstellung zu spröde war, sollte Champions-League-Gewinner Roberto Di Matteo Glanz in den Pott bringen – und erwies sich als Blender. Manager Christian Heidel, 2016 als großer Hoffnungsträger aus Mainz geholt, entließ in Andre Breitenreiter und Markus Weinzierl schnell zwei weitere Trainer. Aber auch der vor zehn Monaten noch als Vizemeister gefeierte Tedesco strandete grandios beim Versuch, seinem öden Ergebnisfußball eine spielerische Komponente zu verpassen.

Und jetzt? Kurzfristig kann das Ziel nur Klassenerhalt lauten, was im siechen Zustand der Mannschaft schwer genug wird. Dann geht es an die Aufräumarbeiten der kurzen Ära Heidel/Tedesco. Bis das Schalker Gefühlsbarometer wieder in eine andere Richtung ausschlagen kann, wird es eine ganze Zeit dauern.