Kommentar

Schallende Ohrfeige

Archivartikel

Martin Geiger findet, dass die Umfrage zur digitalen Kompetenz der Bundesregierung ein tiefgreifendes politisches Problem aufzeigt

Wenn zwei Drittel der Kunden eines Automobilherstellers, sei es Daimler, VW oder BMW, dem Vorstand unterstellen würden, wenig bis keine Ahnung von einem der wichtigsten Zukunftsthemen zu haben, wie lange könnte er sich noch halten? Wenn zwei Drittel der Fans eines Fußballvereins der Ansicht wären, ihr Trainer verstehe nichts von moderner Taktik oder Spielanalyse, wäre er dann noch der richtige Mann? Entsprechend ist auch die Umfrage zur digitalen Kompetenz der Bundesregierung nicht nur ein Meinungsbild – sondern eine schallende Ohrfeige.

Natürlich ist es nur ein Eindruck, der sich da widerspiegelt und der nichts über die tatsächlich vorhandene Kompetenz aussagt. Dennoch ist es ein Armutszeugnis für die große Koalition. Weil ihr die Wähler ganz offenbar kaum noch etwas zutrauen.

Die Skepsis reicht aber tiefer. Denn auch die Opposition kann bei dieser Frage, die doch alle für die Zukunft des Landes für so wichtig halten, die Bürger nicht wirklich überzeugen. Und so bescheinigt die Umfrage ein tiefgreifendes Problem des aktuellen Zustands der deutschen Parteiendemokratie: Die politisch Verantwortlichen beackern mal recht, mal schlecht die anstehenden oder sich ihnen aufdrängenden Aufgaben. Für große Konzepte und Zukunftsvorstellungen, mit denen die Parteien die Menschen begeistern und zum Mitmachen mobilisieren könnten, reicht es aber kaum noch.

Und das ist unter dem Strich zu wenig. Ob in der Vorstandsetage eines Autoherstellers, auf der Trainerbank eines Fußballvereins oder in der Politik. Daher hat Markus Söder, egal, wie man politisch zu ihm steht, mit seinem Vorstoß zur Regierungsumbildung recht.

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