Kommentar

Scherbenhaufen

Archivartikel

Thomas Spang kritisiert das Verhalten von US-Präsident Trump: Weltpolitik ist eben anders als die New Yorker Bauwelt

Jeder macht Spielchen. Aber das mit dem nuklearen Feuer könnte gewaltig schief gehen. Niemand weiß das besser als Südkoreas Präsident Moon Jae-In, der mit einem cleveren Plan B auf Trumps Absage auf den „Friedensgipfel“ mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong-Un reagiert.

Der Verbündete der USA trifft den Diktator selber kurzfristig und appelliert mit diesem gemeinsam an Trump, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Damit trickste sich der „Meister des Deals“ selber aus. Nicht Kim steht nun isoliert dar, sondern der US-Präsident, dessen Wort keine 24 Stunden Bestand hat. Statt mit einer klaren Strategie zu führen, hechelt Trump den Entwicklungen hinterher.

Die Versuchung steht nun im Raum, zur Gesichtswahrung einen Schaufenster-Gipfel abzuhalten, der am Ende nicht mehr als eine Aufwertung des ruchlosen Diktators und ein Bröckeln des Sanktionsregimes bringt. Und die nukleare Entwaffnung auf den Sankt Nimmerleinstag verschiebt.

Trump erweist sich als das, was er immer schon war: Ein Scharlatan, der seine Taktiken aus dem Sumpf der New Yorker Baubranche in die große Politik überträgt. Das Muster lässt sich inzwischen klar beschreiben. Trump schafft immer erst Bedingungen, die so extrem daherkommen, dass sie Empörung auslösen. Dann ergreift er „überraschende“ Initiativen, die auf Moderation hindeuten. Dazu gehören die Annahme der Idee eines Gipfeltreffens und das öffentliche Bauchpinseln eines brutalen Diktators. Der nächste Schritt hängt dann von der Reaktion ab. Fällt diese nicht wie gewünscht aus, kommt der Rückzieher zur Ausgangsposition. Wobei sich Trump stets eine Hintertür offenlässt. Lenkt die andere Seite dagegen weit genug ein, überschüttet sie Trump mit Lob und feiert ihn.

Wie das Gipfel-Chaos zeigt, funktioniert Weltpolitik nicht wie die New Yorker Bauwelt. Deshalb ist Trumps Haltung schlicht vermessen. Ein Gipfel mit Kim hätte nach den klassischen Regeln der Außenpolitik sonst am Ende eines sorgfältig geplanten Verhandlungsprozesses gestanden, nicht am Anfang. Der US-Präsident steht in Nordkorea vor einem Scherbenhaufen, von dem er sich nicht einfach entfernen kann.