Kommentar

Schlecht beraten

Archivartikel

Martin Dahms kritisiert, dass sich die spanische Regierung von Gesundheitsexperten beraten ließ, die die Krise kleinredeten

Nach dem Ausbruch der Coronavirus-Epidemie in China wollten manche Berater die kommende Gefahr für Europa wahrhaben und manche nicht. In Spanien gehörten die Experten aus dem Corona-Krisenstab zumindest teilweise zu Letzteren. Denn entgegen der immer offener zutage tretenden weltweiten Dramatik haben von den sechs wissenschaftlichen Ratgebern der spanischen Regierung in dieser Krise drei die Herausforderung lange kleingeredet.

„Es gibt eine Epidemie der Angst, die wahrscheinlich bedeutender ist als die des Coronavirus“, sagte die Seuchenforscherin Hermelinda Vanaclocha, eine der drei Berater, noch Anfang Februar. Irren ist menschlich, könnte man sagen – in diesem Fall aber tödlich. Den dreien weiter das Ohr zu leihen, ist so klug, wie einem Klimawandelskeptiker das Umweltamt zu überlassen. Fakt ist: Die Sánchez-Regierung ist der Pandemie bisher immer ein paar Tage hinterhergelaufen und hat dadurch wertvolle Zeit verspielt, um geeignete Gegenmaßnahmen zu treffen. Immerhin wurde die Ausgangssperre im ganzen Land bis 11. April verlängert. Die Regierung hat wohl mittlerweile erkannt, dass es für Beschwichtiger zurzeit nur eine Aufgabe gibt: den Mund zu halten.