Kommentar

Schlecht vorbereitet

Archivartikel

Thomas Spang hält das amerikanische Gesundheitssystem im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus für überfordert

Das amerikanische Gesundheitssystem ist erschreckend unvorbereitet auf die „Corona“-Pandemie. Das hat mit einer Vielzahl an Faktoren zu tun, allen voran aber mit dem fehlenden universalen Zugang zu bezahlbarer Krankenversicherung. 28 Millionen Unversicherte und mehr als 80 Millionen nicht ausreichend Versicherte lebten schon vor der Krise eine Diagnose vom möglichen Bankrott entfernt. Es ist bittere Realität, dass genau aus diesem Grund viele Amerikaner erst dann medizinische Hilfe suchen, wenn es zu spät ist. Ein anderes Problem sind die hohen Eigenbeteiligungen der durch ihre Arbeitgeber Versicherten. Diese machen im Schnitt knapp 1700 Dollar aus und haben sich über die vergangenen zehn Jahre verdoppelt.

Ein Viertel der Arbeitnehmer hat darüber hinaus keine bezahlten Krankheitstage. All das hält Menschen davon ab, zuhause zu bleiben, wenn sie sich unwohl fühlen. Oder bei akuten Symptomen rechtzeitig Hilfe zu suchen. Verbunden mit den Schlampereien der Regierung, die weder rechtzeitig Test-Kits noch Schutzausrüstung für medizinisches Personal bereitgestellt hat, trägt das zur unsichtbaren Verbreitung des Covid-19-Erregers bei. Dieser Feind lässt sich nur bekämpfen, wenn man weiß, wo er ist. Die tatsächlichen Infektionsraten dürften um ein Vielfaches höher liegen, als die Statistiken im Moment ausweisen. Das kann sich schon sehr bald rächen. Denn die Konsequenzen werden sich nicht verstecken oder aus der Welt reden lassen. Selbst wenn nur ein kleiner Teil der Infizierten ein Krankenhausbett benötigt, droht das auf Profit optimierte Gesundheitssystem der USA schon bald überwältigt zu werden.

Hinzu kommt die leichtsinnige Abschaffung über Jahre aufgebauter Kompetenz. Ohne Not schickte US-Präsident Donald Trump im Mai 2018 die Experten des für Bioabwehr zuständigen Direktorats im Weißen Haus nach Hause. Dieses hatte erfolgreich die Ebola-Krise bekämpft und war für die Koordinierung im Fall einer Pandemie in den USA zuständig. Noch unbegreiflicher ist, was mit den Milliarden geschehen ist, die nach dem 11. September 2001 in die Verteidigung gegen einen Angriff mit Biowaffen flossen. Keine Schutzmasken, keine Handschuhe keine Betten – jemand wird dafür Rechenschaft ablegen müssen.

Wie auch immer die Corona-Krise in den USA ausgeht, fest steht schon jetzt, dass die fehlende Gesundheitsinfrastruktur und Sorglosigkeit der Regierung Menschenleben kosten wird.