Kommentar

Schlechte Verlierer

Archivartikel

Alexander Müller zum Fall des HSV-Profis Bakery Jatta

Die Vereinsführung des SV Darmstadt 98 hat ein feines Gespür für Fairplay und echten Sportsgeist bewiesen. Im Gegensatz zu den Zweitliga-Rivalen Nürnberg, Bochum und Karlsruhe verzichteten die Südhessen auf einen Protest gegen die Wertung des Spiels gegen den Hamburger SV. Die anderen Clubs begründeten ihren Einspruch mit den durch einen Medienbericht aufgeworfenen Zweifeln an der Identität des HSV-Profis Bakery Jatta. Die zuständigen Sportrechtler argumentieren streng formaljuristisch: Sollte der DFB die Spielberechtigung Jattas für ungültig erklären, könnten die verlorenen Partien für die Gegner des HSV gewertet werden. Dabei hat der Fall vor allem eine moralische, sportethische und politische Dimension. Unter diesen Aspekten sind die Einsprüche schäbig und widersprechen der sportlichen Fairness.

Auf dem Rasen hat Jatta definitiv niemanden betrogen. Selbst wenn er Daffeh oder irgendwie anders heißen sollte und ein paar Jahre älter als angegeben ist – auf seine sportliche Leistung hätte das keinen Einfluss. Entscheidend ist auf dem Platz, dieses eiserne Prinzip haben KSC & Co. mit ihren Protesten ausgehöhlt. Ein Einspruch ist auch moralisch nur dann gerechtfertigt, wenn ein Spieler des Gegners gedopt oder der Schiedsrichter vorher im Wettbüro war. Im Fall Jatta aber nicht.

Natürlich muss die Angelegenheit aufgeklärt werden. Aber dass die Hamburger AfD behauptet, die Causa stehe „für den Irrsinn der Asylpolitik“, obwohl Jatta nie Asyl in Deutschland beantragt hat und als geradezu vorbildlich integriert gelten kann, zeigt, wer aus der Debatte Nutzen ziehen will. Die politischen Kräfte, die Menschen wie Jatta am liebsten überhaupt nicht im Land haben wollen. Das alles hätten die Protest-Einleger aus Nürnberg, Bochum und Karlsruhe mitbedenken müssen. Jetzt stehen sie einfach nur wie schlechte Verlierer da. Im Gegensatz zu Darmstadt 98.