Kommentar

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Schlechtes Zeugnis

Archivartikel

Michael Schwarz zu Inklusionsbemühungen an den Schulen.

Vor fünf Jahren wurde die Sonderschulpflicht in Baden-Württemberg abgeschafft. Seitdem können die Eltern eines behinderten Kindes entscheiden, ob sie dieses auf die Regel- oder Sonderschule – diese heißen inzwischen Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) – schicken wollen. Die Reform damals war richtig, weil sie ermöglicht, dass Kinder mit Behinderung nicht mehr zwangsläufig in separate Schulen müssen. Schließlich muss eine adäquate Teilhabe in der Gesellschaft auch für diejenigen gewährleistet sein, die ein Leben lang mit körperlichen oder geistigen Defiziten klarkommen müssen.

Der gemeinsame Unterricht von behinderten mit nicht-behinderten Kindern sorgt so schon in jungen Altersklassen für ein Stück Normalität im Umgang mit dem Thema. Die Umsetzung des inklusiven Unterrichts gleicht allerdings eher einem Marathon. Dies zeigt auch die Umfrage unter Pädagogen im Südwesten in diesem Bereich. Die Probleme sind vielfältig: Die Unterrichtsvorbereitung ist nicht ausreichend, die Klassen sind zu groß – und es bleibt zu wenig Zeit, um an den Regelschulen auf die Kinder mit speziellem Betreuungsbedarf einzugehen. Hinzu kommt, dass Barrierefreiheit an zu vielen Schulen noch ein Fremdwort ist.

Aus diesen Defiziten ergeben sich die Aufgaben für die Politik. Der Ausbau der Studienplätze muss weiter vorangetrieben werden, der inklusive Unterricht im Studium mehr Raum einnehmen. Dass so viele Schulbauten noch immer Nachholbedarf bei der Barrierefreiheit haben, ist absolut unverständlich.

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