Kommentar

Schluss mit Schweigen

Archivartikel

Was wird aus Turley? Diese Frage schwebt nun über Mannheim – und braucht schlüssige Antworten. Die Investoren mit Firmensitzen auf der steuerparadiesischen Insel Malta haben bisher nichts dazu gesagt, aber ihre Projektentwickler von Fortoon und Qcoon aus Hamburg nannten ein paar Eckdaten. Das ist gut und verschafft ein wenig mehr Einblick in Überlegungen als Schweigen – bei ganz vielen ohnehin offenen Fragen.

Denen müssen sich beispielsweise die Spitze der Stadt Mannheim und die Führung der städtischen Gesellschaft MWSP noch stellen. Vermutlich seit Herbst, aber spätestens seit Anfang Dezember, wissen der MWSP-Geschäftsführer Achim Judt und der Aufsichtsratvorsitzende sowie Oberbürgermeister Peter Kurz von dem Verkauf an neue Gesellschafter.

Nach allem, was diese Zeitung bis heute herausfinden konnte, haben Kurz oder Judt über die bedeutende Eigentümer-Veränderung an den Baufeldern 4 und 5 keine offiziellen Informationen nach außen gegeben; auch der Gemeinderat – die Volksvertretung in dieser Stadt – ist offiziell allenfalls verquast und verklausuliert über die maßgebliche Veränderung informiert worden. So funktioniert Stadtpolitik und Management nach bester Gutsherrenart.

Aufsichtsratsvorsitzender Kurz und MWSP-Manager Judt sind der Öffentlichkeit verpflichtet. Das wissen beide – und haben es oft genug gezeigt, nur hier nicht. Sie haben im Auftrag der Öffentlichkeit zu handeln. Sie werden aus öffentlichem Geld bezahlt. Und sie haben hier offenbar vor allem Anstrengungen unternommen, die Öffentlichkeit auszublenden.

Es geht bei Turley – wie auch bei anderen Konversionsflächen in Mannheim – um zukunftsweisende Vorzeigeprojekt dieser Stadt. Wenn sich an den Rahmenbedingungen etwas gravierend ändert, ist das unverzüglich mitzuteilen. Und Eigentümer-Wechsel sind mindestens bedeutend, vielleicht gravierend.

Es gibt zwei Interpretationsmöglichkeiten zu den neuen Investoren. Die eine: Alles wird gut, die machen ordentlich mit, eine gedeihliche Entwicklung führt zu einem guten Resultat. Die andere: Die Investoren sind nur an der großen Vermehrung ihres ohnehin großen Geldes interessiert, wollen sich nicht in städtische Vorstellungen einbinden lassen, interessieren sich nicht für erschwinglichen Wohnraum, wollen ihr Ding machen und sehen Turley eher als Geld-Parkplatz oder durchlaufenden Posten.

Leider ist der Wechsel zu diesen neuen Investoren durch zu viel Schweigen, Lavieren und Umschiffen mit viel Misstrauen belegt. Ein schlechtes Signal in Zeiten, wo Hinterzimmerpolitik vor allem denen Futter hinwirft, die das zwar genauso machen, aber perfekt scheinheilig und erfolgreich anprangern. Auch deshalb muss Schluss sein mit der städtischen Mauschelei – vorbei an Volk und Volksvertretern.

Zum Thema