Kommentar

Schmerzvoller Abschied

Archivartikel

Detlef Drewes über den Umzug der EU-Agenturen

 

Bis zum gestrigen Montag konnten die britischen Brexit-Betreiber ihren Landsleuten immer noch vormachen, der Ausstieg aus der EU werde nicht wirklich schlimm wie von den EU-Anhängern immer behauptet. Doch nun hat die Gemeinschaft mit der Entscheidung für den Standort zweier lukrativer Agenturen klargemacht: Alles, was mit der blauen Fahne und dem goldenen Sternenkranz zu tun hat, verlässt die Insel. Dieses Symbol ist weitaus kraftvoller als das Summieren von Arbeitsplätzen in den beiden EU-Häusern. Selbst das erfolgsverwöhnte London wird sich schwertun, das Ausbleiben von jährlich rund 26 000 Besuchern mit üppigen Spesensätzen zu verkraften. Der Brexit beginnt wehzutun.

Dieser Beschluss macht klar, dass ein Bruch bevorsteht - ob mit oder ohne Deal und ob mit oder ohne Einigung mit den britischen Unterhändlern in Brüssel. Im besten Fall werden sich die Emissäre der angeschlagenen Premierministerin Theresa May nun bewegen und versuchen, mit der Union einen weichgespülten Kompromiss hinzukriegen. Doch die Situation gilt längst als derart verfahren, dass eine vernünftige Lösung kaum noch realistisch erscheint. Auf beiden Seiten des Verhandlungstisches hat sich offenbar die Erkenntnis festgesetzt, dass man nur lange genug hart bleiben müsse, weil der andere dann schon nachgeben wird. Das ist nicht nur keine erfolgversprechende Strategie, sie erscheint auch zunehmend verantwortungslos. Betriebe, Fluggesellschaften, Airports, Speditionen, Autozulieferer, Häfen - sie alle brauchen Planungssicherheit, ihre Vorlaufzeiten sind immens. Ohne absehbares Verständnis von EU und Vereinigtem Königreich schaffen die Planer Fakten.

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