Kommentar

Schnöde Interessen

Thomas Spang zum Konflikt um den Huawei-Konzern

Mit Diplomatie hat das Verhalten der USA im Streit um den Einsatz von Huawei-Technolgie beim Aufbau der 5G-Netze in Europa nichts mehr zu tun. Der Drohbrief des US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell, an die Bundesregierung ist der bisherige Gipfel der Unverschämtheiten. Aber bei der Huawei-Kontroverse geht es der US-Regierung nur vordergründig um die Sicherheit beim Ausbau der ultraschnellen Mobilfunknetze. Denn wem der maximale Schutz seiner Kommunikations-Infrastruktur wirklich am Herzen liegt, kettet sich niemals an einen einzigen Anbieter – Hintertüren können überall eingebaut werden. Sicherheit kann nur durch hohe technische Standards, Überprüfung des Personals und ständige Wachsamkeit der Spionageabwehr gewährleistet werden.

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der „Amerika zuerst“-Präsident Donald Trump einmal mehr schnöde Wirtschaftsinteressen verfolgt. Auffällig, dass Grenell in seinem Drohschreiben ausgerechnet den Hinweis auf US-Ausrüster Cisco „vergisst“, der von einem Ausschluss Huaweis bei internationalen Projekten profitieren könnte. Doch ein offenes Ausschreibungsverfahren beim Ausbau der 5G-Netze liegt nicht nur im Interesse von Wirtschaft und Verbrauchern – es verspricht am Ende auch mehr Sicherheit für alle.

Zum Thema