Kommentar

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Wolfgang Mulke zum Jobwunder bei den Paketdiensten

 

Jahrzehntelang haben sich Arbeitsmarktexperten vergeblich die Köpfe darüber zerbrochen, wie die in der Industrie weggefallenen einfachen Tätigkeiten für Geringqualifizierte ersetzt werden können. Ausgerechnet die mit vielen Ängsten verbundene Digitalisierung bewirkt nun das erhoffte Jobwunder. Mehr als 200 000 Zusteller sorgen zum Beispiel für die Lieferung der Waren aus dem boomenden Onlinehandel. Und es werden täglich mehr.

Die laufende technologische Umwälzung vernichtet Arbeit, schafft aber auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Diese Entwicklung erinnert an die erste industrielle Revolution im 19. Jahrhundert. Damals fielen zahlreiche handwerkliche Tätigkeiten weg, weil sie durch die Massenfertigung in den Fabriken ersetzt wurden. Aus den Webern auf dem Lande wurden Fabrikarbeiter in den Städten. Doch heute wie damals geht die Veränderung der Arbeitsplätze mit Einkommensverlusten für die betroffenen Arbeitnehmer einher. Die Zustände bei einigen Paketdiensten sind ein Beleg dafür.

Auf lange Sicht folgte den technologischen Revolutionen stets ein Wohlstandsgewinn für alle. Das kann auch bei der Digitalisierung der Fall sein. Der Blick in die Vergangenheit zeigt aber: Es drohen soziale Auswüchse und Armut trotz Arbeit, wenn der Wandel nicht sozialpolitisch flankiert wird. Hier hinkt die Politik hinterher, auch weil sie mehr Augenmerk auf die Entwicklungschancen der Wirtschaft legt als auf die Interessen der Arbeitnehmer.

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