Kommentar

Schon Wahlkampf

Beim Streit über die Corona-Teststrategie sollte sich die Landesregierung am Riemen reißen – und sich schleunigst auf ein Konzept einigen. Der Verlauf der Pandemie ist auch im Südwesten der Republik bislang sehr milde. Der deutschlandweite Blick zeigt aber, dass in den nächsten Monaten eher mit lokalen Hotspots zu rechnen sein wird. Um dann einzudämmen, ist es wichtig, mögliche Infektionsketten frühzeitig zu erkennen.

Und dies ist nur möglich, wenn es gelingt, flächendeckend die richtigen Gruppierungen zu testen. Hier geht es vor allem um Personenbewegungen in Krankenhäusern, in Pflegeeinrichtungen, in Schulen und Kitas aber auch um Reiserückkehrer aus Regionen der Welt mit höheren Infektionszahlen. Eine kluge Teststrategie ist daher zwingend, weil viele Menschen infiziert sind, ohne es zu merken.

Besorgniserregend ist, dass das Land bislang pro Woche nur etwas mehr als die Hälfte der 120 000 Personen testet, die man eigentlich aktuell erreichen wollte. Das von Ministerpräsident Winfried Kretschmann für die nahe Zukunft vorgegebene Ziel von wöchentlich 160 000 Tests ist noch in weiter Ferne.

Trotzdem ist es sinnvoll, die Kapazitäten mit Blick auf eine mögliche zweite Welle im Herbst weiter auszubauen. Denn auch bei der Corona-Teststrategie sollte die Politik nicht von ihrem präventiven Kurs abkommen.

Dass es zwischen Grünen und CDU wieder einmal bei einem Thema kracht, zeigt eher, in welchem Zustand sich die Koalition knapp neun Monate vor der Landtagswahl befindet. Viel mehr als die gemeinsame Bewältigung der Krise im Großen hält die Koalitionäre nicht mehr zusammen. Im Kleinen blockieren sich die Partner. Das zeigt: Der Wahlkampf hat längst begonnen.

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