Kommentar

Schwächstes Glied

Detlef Drewes zum EU-Beistand für Lebens-mittelerzeuger

 

Ob Apfel, Butter, Bachforelle oder Salat – vom Preis, den der Verbraucher an der Kasse zahlt, kommen dem Erzeuger nur gut 20 Prozent zugute. Allein diese Schieflage dokumentiert, wie dringend und überfällig ein Einschreiten der Brüsseler EU-Kommission ist. Denn alle Versuche, zu einer funktionierenden Selbstkontrolle zu kommen, sind in den vergangenen Jahren gescheitert.

Der Aufschrei der großen Lebensmittelketten erfolgte gestern prompt. Von einem Eingriff in die Vertragsfreiheit ist die Rede. Die Konzerne haben Recht – genau darum geht es. Denn es ist eben diese Freiheit bei der Vertragsgestaltung, die nicht für alle Seiten fair funktioniert. Weil der Handel allzu oft den Erzeugern als schwächstem Glied der Kette seine Bedingungen diktiert hat.

Wer einem Landwirt oder Fischer eine angemessene Vereinbarung bietet, die beispielsweise auch die Beteiligung an Werbungskosten beinhaltet, kann das tun. Aber es darf eben keine Knebelverträge geben. Denn bei allem Verständnis für freien Handel auf dem Binnenmarkt: Es sind die Agrarbetriebe, die die Auflagen für gesundes Obst und Gemüse, artgerecht erzeugtes Fleisch oder umweltgerechten Anbau tragen. Diese Arbeit muss – anders als in vielen Fällen bislang üblich – angemessen honoriert werden.

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