Kommentar

Schweizer Käse

Archivartikel

Detlef Drewes kritisiert, dass sich die Schweiz bei der Zusammenarbeit mit der EU nur die Rosinen herauspicken will

Niemand will den Nationalstolz der Schweizer brechen. Die Eidgenossen haben sich für einen eigenen, wenn auch reichlich teuren Weg entschieden, um von der Europäischen Union zu profitieren. Doch Brüssel wird beim anstehenden Rahmenabkommen nicht zulassen können, was man Großbritannien mit Recht verweigert: Niemand darf sich aus dem Werte-Kanon der Gemeinschaft nur die Dinge herauspicken, die ihm passen.

Dass die Regierung in Bern den eigenen Arbeitsmarkt schützen will, unterscheidet sie nicht von Berlin, Paris oder Rom. Aber die europäischen Regelwerke in diesem Bereich sind fair. Sie legen fest, dass entsandte Arbeitnehmer so entlohnt und sozial abgesichert werden müssen wie Einheimische – gerade, weil Lohndumping verhindert werden soll. Die jüngste Reform der Entsenderichtlinie ist ein gelungenes Beispiel dafür. Da kann und darf die Kommission nicht hinnehmen, dass EU-Mitglieder und solche, die vom Binnenmarkt profitieren wollen, zusätzliche Hürden auf nationaler Ebene aufbauen, die vor allem ein Ziel haben: ausländische Arbeitskräfte zu verhindern.

Die Eidgenossen täten gut daran, ihre ideologischen Gräben zuzuschütten und auf die EU zuzugehen. Denn sie sollten wissen, dass das Land ohne eine tiefgehende und umfassende Partnerschaft mit dem Staatenverbund nur schwer das jetzige Niveau halten kann.

 
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