Kommentar

Schwerer Schlag

Archivartikel

Peter Reinhardt zur Entscheidung über die Batteriefertigung

Viele Experten sehen den Zug einer deutschen Batteriefertigung für Elektroautos schon längst abgefahren. Heimische Hersteller kaufen die Akkus bei koreanischen, chinesischen oder japanischen Zulieferern, was Branchenkenner als krasse Fehlentscheidung auf einem Zukunftsgebiet bewerten. Auch deshalb will die Politik die Konzerne zu ihrem Glück zwingen und den Rückstand durch eine eigene Forschungsfabrik aufholen.

Dafür hat Bundesforschungsministerin Anja Karliczek einen bundesweiten Wettbewerb veranstaltet – um sich am Ende über das Expertenvotum für Ulm hinwegzusetzen und das Projekt in ihre nordrhein-westfälische Heimat nach Münster zu vergeben. Der eigene Kirchturm ist der CDU-Frau näher als die unbestreitbare Kompetenz der Ulmer in Sachen Energiespeicher. Das ist für die grün-schwarze Regierung in Stuttgart ein schwerer Schlag.

Sie hat schon in der Vergangenheit viel Geld für die Erforschung der Zukunftstechnologie ausgegeben und wollte jetzt weitere 185 Millionen zur Verfügung stellen. Im Umkreis von 150 Kilometern um Ulm haben die wichtigsten deutschen Autohersteller und Zulieferer ihren Sitz. Münster glänzt dagegen vor allem mit guten Beziehungen zur Bundesregierung – die hat Baden-Württemberg nicht. Kein einziger Bundesminister stammt aus dem Land. Ein ähnliches Desaster wie bei der Batteriefertigung droht bei der Verteilung der Forschungsmittel für die künstliche Intelligenz, wo Tübingen und Freiburg führend sind. Doch auf diesem Gebiet hat das Saarland mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer einflussreichere Fürsprecher.