Kommentar

Schwierige Prognose

Alexander Müller zur Situation bei der DFB-Elf

Der Plan klang so einfach wie bestechend. Weiterentwickeln, Stabilität gewinnen, die Automatismen schärfen, nach dem personellen Umbruch mit einer strapazierfähigen neuen Achse zum nächsten Turnier fahren. Doch eine beispiellose Verletzungsmisere bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat das Projekt „Einspielen für die EM“ vorerst beendet, bevor es überhaupt begonnen hat.

Bei den in diesem Jahr noch anstehenden EM-Qualifikationsspielen in Estland, gegen Nordirland und Weißrussland wird Bundestrainer Joachim Löw weiter improvisieren und Notlösungen finden müssen – um dann bei den wenigen Testpartien und dem EM-Vorbereitungstrainingslager im neuen Jahr im Hauruck-Verfahren und unter Zeitdruckzu versuchen, eine robuste Mannschaft zu formen, die beim Turnier im Sommer mindestens ins Viertelfinale kommen sollte.

Konstant inkonstant

Höher darf man die Erwartungen nicht schrauben, denn selten in der jüngeren deutschen Fußball-Vergangenheit war eine Prognose über das tatsächliche Leistungsvermögen der DFB-Elf schwieriger abzugeben als zurzeit. Gute Phasen wechseln sich mit temporären Zusammenbrüchen ab, regelmäßig werden Vorsprünge herausgeschossen und eine Halbzeit später wieder hergeschenkt. Bei allem unbestrittenen Potenzial bleibt die Inkonstanz ein regelmäßiger Begleiter der deutschen Auswahl im Jahr 2019.

Auch wenn es mit dem stets auf Titelgewinne ausgerichteten Selbstanspruch des größten Sportverbands der Welt nur schwer zu vereinbaren ist: Fast wichtiger als die Ergebnisse wird bei der kommenden paneuropäischen Europameisterschaft sein, dass das DFB-Team um Leistungsträger wie Niklas Süle, Joshua Kimmich und Serge Gnabry fußballerisch wieder auf ein stabiles Gleis kommt, dass ein kontinuierlicher fußballerischer Aufwärtstrend ohne größere Ausbrüche nach unten sichtbar wird. Um danach mittelfristig auch einmal wieder Titelpläne schmieden zu können.