Kommentar

Schwieriger Gast

Katrin Pribyl über den Besuch des US-Präsidenten in Großbritannien: Bei allem Ärger über Trump – das Verhältnis der Partner sollte nicht leiden

Es ist kompliziert, wie so oft. Da haben die Briten also für den Staatsbesuch des US-Präsidenten Donald Trump das getan, was sie am besten können: den glänzenden Pomp des Königshauses aufgefahren und den roten Teppich ausgerollt. Immerhin, die beiden Länder sind enge Verbündete, und trotz Spannungen zwischen Premierministerin Theresa May und Trump will man die besondere Beziehung nicht nur in der Geschichte suchen müssen, sondern aktiv fördern.

Ein gutes Verhältnis zu den USA ist erst recht vonnöten, wenn das Königreich demnächst aus der EU scheidet und auf ein rasches Handelsabkommen angewiesen ist. Gleichzeitig aber steckt Großbritannien derzeit in der Polit-Krise, am Freitag gibt May ihren Parteivorsitz auf. Es ist, als lade man mitten im großen Familienkrach den streitlustigen fernen Verwandten ins Haus ein. Das ist riskant. So sorgt der US-Präsident regelmäßig für diplomatischen Ärger, mischt sich in nationale Belange ein und löst Kontroversen aus.

Deshalb darf oder vielmehr muss bei dieser Visite differenziert werden: Poliert man hier das Silbergeschirr für den Vertreter der USA, den aus der Geschichte gewachsenen, langjährigen Partner oder für die Person Trump?

Es geht um mehr als den Amtsinhaber. Zu Recht gingen wieder Demonstranten auf die Straße, die gegen seine Klima- und Außenpolitik, seinen Sexismus oder seine rassistischen Äußerungen protestierten, die Trump zum weltweiten Posterboy der Rechten gemacht haben. Aber dass der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn das Staatsbankett boykottierte, ist falsch und offenbart nur einmal wieder, dass der Altlinke lieber rebelliert, als aktiv zu gestalten.