Kommentar

Seine Majestät Macron

Birgit Holzer kritisiert am französischen Präsidenten einen Hang zur Selbstüberhöhung – damit steht er wichtigen Reformen selbst im Weg

 

Eine Eigenschaft Emmanuel Macrons erstaunte und verstörte vom Beginn seiner Wahl an: der Hang zur monarchisch-feierlichen Inszenierung seiner Auftritte. Ausgerechnet dieser Präsident legt ihn an den Tag, der jünger ist als alle seine Vorgänger. Ist es Narzissmus? Oder reagiert der 40-Jährige nur konsequent auf seine eigene Analyse, die Franzosen sehnten sich nach einem König, den sie doch einst um sein Haupt gebracht haben?

Mit seiner gestrigen Rede vor dem Kongress in Versailles versuchte Macron einmal mehr, seinem Amt einen majestätischen Anstrich zu verleihen. Es stimmt, dass viele Franzosen eine gewisse Autorität ihres Präsidenten und deren Zurschaustellung schätzen. Macrons tollpatschig wirkender Vorgänger François Hollande brach sich auch deshalb das politische Genick, weil sie ihm fehlte. Doch mit seiner ständigen Selbstüberhöhung droht sich Macron zunehmend von seinem Volk zu entfernen.

Eine weihevolle Erklärstunde wie die gestrige erhöht diese Gefahr noch. Große Visionen hat er inzwischen häufig weit ausholend aufgezeigt. Doch auf die Ankündigungen folgen nicht unbedingt Resultate. Hatte er nicht versprochen, ideologische Grenzlinien zu überwinden mit einem Politikangebot in der Mitte? Sowohl in der Wirtschafts- als auch in der Innen- oder Einwanderungspolitik fährt er eine klassisch rechtskonservative Linie. Selbst bisherige Fürsprecher vermissen soziale Komponenten. Macron wurde zwar auch für sein Versprechen gewählt, Frankreich zu reformieren. Doch auf Dauer kann das nur gelingen, wenn die Menschen mitgenommen werden. Das sollte im Dialog passieren – nicht von oben herab.

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