Kommentar

Selbst Fragen stellen

Stefan Proetel über das Informieren vor der Wahl

Frisch frisiert, mit Bluse und Schal, ordentlich rasiert, mit Hemd und Krawatte – oder eben betont lässig: Auf ihren Plakaten präsentieren sich die Kandidaten zur Kommunalwahl, wie sie von den Bürgern wahrgenommen werden wollen. Das macht Sinn, denn eine Wahl wie die der 48 neuen Stadträte Mannheims ist extrem persönlichkeitsbezogen. Viele Wähler vergeben ihre Stimmen zunächst an diejenigen, die sie kennen und dann in der Regel – sofern es ihnen nicht um Inhalte geht – an diejenigen, die ihnen auf den Fotos vertrauenserweckend erscheinen.

Daran ist per se nichts auszusetzen. Besser (oder: ideal) ist es allerdings, im Vorfeld Kandidaten persönlich zu erleben, mit ihnen zu diskutieren, ihre Ansichten und Vorhaben zu hören. Das geht am besten an den Infoständen der Parteien oder bei öffentlichen Veranstaltungen. Erfreulicherweise haben viele der Besucher des Bürgerforums von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Kandidaten selbst Fragen zu stellen. Die lebendigen Diskussionen, die sich daraus entwickelten, sind das Salz in der kommunalpolitischen Suppe. Hier ist ungefiltert zu hören, was die Parteien in ihren Wahlprogrammen oft verklausuliert aufgeschrieben haben. Wer zuhört, zieht seine Schlüsse fundierter als nach Betrachten eines Wahlplakats.

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