Kommentar

Seltsame Wandlung

Marc Stevermüer zu Sebastian Vettels Weg in der Formel 1

Man hatte es in Zeiten der Dauer-Dominanz von Mercedes fast schon für unmöglich gehalten, dass in der Formel 1 noch etwas Aufregendes passiert. Doch beim Grand Prix in Kanada ging es dann so richtig zur Sache: Erst auf der Strecke, wo Sebastian Vettel überraschend als Erster über die Ziellinie fuhr. Und dann danach, weil der Heppenheimer den Sieg wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe doch noch verlor und seinem Ärger darüber spektakulär Luft machte.

Keine Frage: Die Entscheidung der Jury war umstritten, vielleicht sogar falsch. Aber zwei Dinge sollten trotzdem nicht vergessen werden. Erstens: Zu der Strafe kam es nur, weil Vettel erneut einen Fehler machte und von der Strecke abgekommen war. Zweitens: Es hat nun wirklich nichts mehr mit einem viermaligen Weltmeister oder einem Champion zu tun, wenn man wegen einer Strafe so unkontrolliert ausrastet wie Vettel und sich darüber hinaus zu Unsportlichkeiten wie dem Versetzen der Platzierungsschilder hinreißen lässt. Gewiss: Emotionen gehören zum Sport, Ärger ist verständlich, auch Fußballer schimpfen über Schiedsrichter. Aber der Ferrari-Pilot ging eindeutig zu weit.

Was der Ferrari-Pilot da in Kanada veranstaltete, hatte wahlweise etwas von einem weinerlichen Kind oder einem pubertierenden Jugendlichen. Der Südhesse verlor den Respekt, den Anstand, ja sogar die Konzentration während des Rennens, als er sich immer wieder über Funk echauffierte und damit letztendlich davon ablenkte, dass er unter Druck die Nerven verlor. Wieder einmal. Und wie schon so häufig in der vergangenen Saison, als Lewis Hamilton mehrfach brillante Leistungen in Serie ablieferte, während sich bei Vettel Fahrfehler und Unfälle häuften, weil er schlichtweg überdrehte.

Der 31-Jährige kommt immer häufiger nicht nur von der Strecke, sondern auch von seinem ganz persönlichen Weg ab. Man fragt sich: Wo ist die Gelassenheit des Mannes hin, der vor einigen Jahren die Formel 1 nicht nur dominierte, sondern mit seiner Lausbuben-Art auch die Massen faszinierte? Viel geblieben ist davon nicht.

 
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