Kommentar

Sensibler sein

Archivartikel

Peter W. Ragge zu „Kunst und Genüssen“ am 9. November

Die „Lange Nacht der Kunst und Genüsse“ ist eine wunderschöne Veranstaltung. Was in Sandhofen ganz klein begann, findet inzwischen in nahezu allen Stadtteilen ein begeistertes Publikum. Trotz der Novemberkälte flanieren die Leute an diesem Abend durch die Straßen, schauen mal da vorbei, hören dort einem Musiker zu, freuen sich an Kostproben und Kunst. Das belebt und stärkt die Vororte, hilft sehr dem Einzelhandel.

Darf man das an einem 9. November tun? Darf man da anstoßen, feiern, lachen, Geschäfte machen? Nein!

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat das Wort von der Geschichtsvergessenheit geprägt. Man muss wirklich schon sehr geschichtsvergessen sein, wenn man an diesem Tag eine solche Veranstaltung plant.

Beim Datum 9. November müssen einfach sofort alle Warnlampen angehen. Da ist zu viel passiert, was man nicht einfach als längst vergangene Geschichte abtun darf. Mag sein, dass das 2013, als die Veranstaltung schon einmal auf das Datum fiel, niemand störte. Doch die Zeiten sind anders, sie sind leider schlimmer geworden. Rechte Tendenzen nehmen zu, Gewalttaten werden geleugnet oder verharmlost. Da muss man umso sensibler sein und darf diskrete Hinweise nicht liegenlassen, sondern muss deutlich schneller reagieren.

Zum Thema