Kommentar

Sich immer treu geblieben

Archivartikel

Jan Kotulla zum Tod von Formel-1-Legende Niki Lauda

Um eine klare Aussage war Niki Lauda nie verlegen. Die Formel 1, in der er drei Fahrertitel gewann, die ihm 1976 aber um ein Haar das Leben gekostet hatte, nannte er einmal „die kleine Welt der Zirkusaffen“. Auch die Unfallfolgen kommentierte er mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Sein vom Feuer entstelltes Gesicht nannte er einmal „mein Barbeque“.

Nicht sein Unfall war für Lauda schlimm. Stattdessen bezeichnete der erfolgreiche Unternehmer den Absturz einer Boeing seiner Fluglinie im Mai 1991 in Indonesien mit 223 Toten als „schlimmstes Ereignis meines Lebens“. Er verschaffte sich selbst vor Ort einen Überblick und bohrte so lange nach, bis die Unfallursache feststand und der Flugzeugbauer an die Hinterbliebenen Schadenersatz zahlte.

Dieses Durchsetzungsvermögen war typisch für den Österreicher, der auch schon mal grantig werden konnte, wenn ihm etwas nicht schnell genug ging. Als Berater bei Ferrari holte er Michael Schumacher zur Scuderia, später bei Mercedes vertraute man ebenfalls auf seine Expertise. Seine schonungslosen Analysen als Fernseh-Experte waren gefürchtet – und werden fehlen, um der Kunstwelt der Formel 1 den Spiegel vorzuhalten.

Angst vor dem Tod hatte Lauda nach einer Aussage nicht. Wichtig sei vielmehr, dass man sich am Ende nicht vorwerfen müsse, etwas verpasst zu haben. Niki Lauda hat nach dieser Devise gelebt und ist sich immer treu geblieben.

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